03April
2017

Welcome Back, Thanks and Goodbye!

Nun ist es genau zwei Monate und drei Tage her, seitdem ich am 1. Februar 2017 wieder deutschen Boden unter den Füßen und die kalte Winterluft auf meiner Haut gespürt habe. 

Empfangen wurde ich in aller Herrgottsfrühe gegen halb 7 Uhr am Flughafen in Frankfurt von meinen Eltern, meinem Bruder und meinem Freund und natürlich einem echten Leberwurstbrot und einem Fläschchen Sekt - wunderbar!

Insgesamt habe ich mich hier in Deutschland wieder sehr gut eingelebt! Klar war es eine Umstellung nun wieder mit der Familie unter einem Dach zu leben, im Haushalt nach Mamas Regeln mitzuhelfen, also einfach nicht mehr selbst die volle Kontrolle, aber auch nicht mehr die volle Verantwortung über Haushalt und Putzplan zu haben. Vieles haben wir in unserer Potch-WG einfach anders gehandhabt oder anders gesehen, woraus auch die ein oder andere Diskussion zwischen mir und der mütterlichen Hoheit resultierte. Doch während ich mich schnell wieder in Hotel Mama einlebte, konnten meine Eltern erkennen dass ich in den vier Monaten doch einiges dazu gelernt hatte und ein großes Stück selbstbewusster und erwachsener geworden war - mehr, als es ihnen vielleicht lieb war. 

Die ersten Tage und Wochen habe ich natürlich alle meine Freunde wiedergetroffen und die Zeit mit ihnen genossen. Die Wiedersehensfreude hat das Fernweh nach Südafrika ein gutes Stück weit übertüncht. Doch ich erkannte schnell, auch meine Freunde haben ihr Leben weitergeführt: Ausbildung, Studium, Umzug in andere Städte - jeder hatte sich ein neues Umfeld geschaffen und war irgendwie beschäftigt, doch mein neues Umfeld war in Südafrika und ich vermisste (und vermisse es immer noch) sehr.

Wenige Stunden vor meinem Rückflug nach Deutschland habe ich die Zusage für mein Publizistik-Studium in Mainz erhalten, was ich jetzt im Sommersemester 2017 beginnen werde. Vor Südafrika habe ich das tägliche Pendeln nach Mainz und das Wohnen in Hotel Mama einem schnellen Umzug noch vor dem Studium vorgezogen, heute sieht das anders aus: Ich will nach Mainz! So schnell wie möglich! Ich will eigenständig an dem Ort wohnen, an dem ich auch studiere, ich will weggehen können wie lang und wann immer ich möchte, ohne den Zugfahrplan im Hinterkopf haben zu müssen. 

Während sich die Wohnungssuche etwas schwieriger gestaltet, war die Jobsuche, um das Eigenheim auch finanzieren zu können, sehr erfolgreich: Bereits im März habe ich an der Kaffeebar im Katholischen Klinikum in Mainz begonnen. Einen Monat bin ich nun schon dabei und es macht mir sehr sehr viel Spaß! 

In zwei Wochen beginnen die Vorlesungen. Ich bin sehr gespannt und freue mich, doch meiner großen Freiheit, die ich nun ein Jahr seit meinem Abitur hatte, trauere ich schon jetzt ein wenig nach!  Nicht nur die vier Monate Südafrika, auch die Praktika und nun der Job in Mainz haben mir sehr sehr viele Erfahrungen gebracht, die ich niemals vergessen werden und die mich, ich weiss, diese Aussagen sind klischeehaft, aber so ist es nun einmal, zu einem selbstbewussteren, hoffentlich besseren und in einigen Bereichen auch neuen Menschen gemacht haben. 

Danke an Mama und Papa, die mir dieses Jahr die Zeit und die Entscheidungsfreiheit gegeben und geschenkt haben, zu tun und zu erleben was ich wollte! 

Danke an meine Familie, meinen Freund und meine Freunde, die trotz der großen Entfernungen immer an meiner Seite waren!

Und natürlich auch danke an Euch, die Ihr mich über den Blog auf meiner Reise nach Südafrika begleitet habt, danke für Eure lieben Kommentare und Wünsche und für Euer Interesse!

An dieser doch recht schnulzigen Stelle möchte ich nun meinen Blog beenden!

Liebe Grüße

Eure Jule :)

12Januar
2017

Neues Jahr - (endlich) neuer Blogeintrag :)

Wir schreiben Donnerstag, den 12. Januar 2017 ... krass...

2017! Zunächst einmal wünsche ich allen dort im kalten Deutschland oder wo auch immer ihr euch auf dieser Welt befinden möget, -zwar etwas verspätet aber trotzdem von ganzem Herzen- ein wundervolles, gesundes neues Jahr mit vielen tollen Erfahrungen!

Nicht nur die Jahreszahl, auch einige andere Dinge haben sich in den Wochen verändert beziehungsweise ereignet:

Da war zum einen mein wunderbarer Urlaub. Über die erste der drei Wochen, unserer Reise von Potch über Durban bis nach East London, wo wie Weihnachten gefeiert haben, und das heiß ersehnte Wiedersehen mit meiner Familie habe ich euch in meinem letzten Eintrag ja schon berichtet. Die ersten Tage mit meiner Familie verbrachte ich dann in Potch und Johannesburg: mein genial ausgearbeiteter Essengehplan, der den ersten Abend und den ersten Morgen für meine Liebsten auch kulinarisch unvergesslich machen sollte, ist natürlich grandios gescheitert... da hat wohl jemand die Feiertage nicht bedacht! So wurden die ersten Mahlzeiten eben in dem weit und breit einzigen geöffneten Mugg and Bean in einer Tankstelle eingenommen. Schade Schokolade!

Nach einer Hopp-on-Hopp-off-Bustour durch Johannesburg und Soweto und dem Besuch des Apartheid-Museums (hachja, das erinnerte irgendwie an längst vergangene Geschichte LK Zeiten) wurde unser Hunger nach wahrer südafrikanischer Küche dann doch noch gestillt: Strauß - wahre Liebe! Keiner traute sich, aber die Neugier der Family war dann doch zu groß und eh ich mich versah, waren doch schon ein paar Stückchen stibitzt. Um nun auch beim Thema zu bleiben: Schon die ganze Zeit wollte ich unbedingt einmal den durch die Bachelor-Werbung weit bekannten "Amarula - The Spirit of Africa" probieren und an diesem Abend wurde mein Traum wahr! Neben Schatzi, dem Strauß und Savanna, einem Cider, die vierte große Liebe!

So, nun aber genug vom Essen geschwafelt! Für uns ging es am nächsten Tag weiter zum Addo-Elephant-Park auf Safari. Ihr glaubt es kaum, tatsächlich in einem richtigen Safarigefährt! Ich war hin und weg! Mutti, Vati, Bruderherz, zwei süße chinesische Omis und ich, begleitet von unserem Ranger Carl auf Pirschfahrt, ä Dräumsche! Von den kämpfenden Elefantenbabies über meine ach so geliebten Sträuße, ein Hippo, Nashörner, Giraffen und Zebras bis hin zu jagenden Löwen - es war der Wahnsinn!

Weiter geht's on our way to Cape Town ins malerische Knysna. Dort erwartete uns eine wunderschöne Ferienwohnung mit Blick aufs mehr und das Städtchen, sogar gesichert durch eine Alarmanlage - funktioniert hätte sie im Notfall sogar auch, das haben wir natürlich gleich (versehentlich) getestet und so auch mal die Security-Firma persönlich kennengelernt.

Auch unseren Silvesterabend verbrachten wir in unserer Bude mit Monopoly und gutem Strauß - ich konnte sie dann wohl doch noch überzeugen!

Und dann stand auch schon Cape Town auf dem Reiseplan: hier musste ich allerdings meine Familie leider schon wieder verabschieden, der Abschied viel nicht schwer, da wir uns ja in einem Monat wiedersehen, und es war einfach ein super tolles Gefühl sie für eine Woche bei mir gehabt zu haben! 

Die letzte Woche in Kapstadt gehörte meinen Mitfreiwilligen Nina und Alina und mir. Nachdem am ersten Tag die Waterfront erobert wurde, erklommen wir am zweiten Tag bei brütender Mittagshitze und dem Sonnenstich gefährlich nahe, den Tafelberg zu Fuß und genossen oben überglücklich den Triumph und den Ausblick. Am nächsten Tag ließen wir uns dann zur Entspannung durch die Winelands chauffieren und genossen die edlen Tropfen vier verschiedener Weingüter - ein paar Heimatgefühle kamen schon auf, Hagens Weinschatz lässt grüßen! Der letzte Tag hielt noch einmal ein historisches Highlight bereit: Robben Island! Während die Führung mit einem ehemaligen Insassen uns voll mitriss, riss uns die halbstündige Bootsfahrt auf dem Rückweg auch mit - ins Leiden der drei jungen Seekranken! Naja, ein beinahe wahrhaft italienisches Bruschetta später, standen wir alle schon wieder auf den Beinen. 

Und so war unser Urlaub, mehr schnell als recht, auch schon vorüber :(

Um wieder zum Thema Veränderungen zurückzukommen - nun stand eine weitere an: die "Umgewöhnug" auf unser Leben in Potch. Denn seit gestern steht wieder Arbeiten auf dem Programm. Im neuen Schuljahr bin ich nun bei den gerade eingeschulten Erstklässern eingeteilt, ich freue mich schon sehr, die sind einfach zu putzig!

In diesem Sinne - liebe Grüße an alle

Eure Jule :)

25Dezember
2016

Merry Christmas! ?

...und plötzlich ist es Weihnachten!

Es kam dann doch viel schneller als erwartet, denn zwischen Lightfestival und letzten Planungen für die große 3-wöchige Reise fand Weihnachtsstimmung kaum Platz. Wo Weihnachtsmarkt, Glühwein und Tannenbaum fehlen, da erinnern zwei Adventskalender aus der Heimat, ein selbstgebastelter Adventskranz, dessen Kerzen bei der Hitze zu schmelzen drohen und der dem guten alten Sprichwort zufolge tatsächlich an Weihnachten in Flammen stand sowie geyoutubtes Helene Fischer Adeste Fideles daran, dass Weihnachtszeit ist.

In der letzten Vorweihnachtswoche starteten wir unsere Tour zu den Drakensbergen, Durban, Port Shepstone, Port St. John's und Coffee Bay, um dann Weihnachten in East London zu verbringen. Am 24.12. besuchten wir zahlreiche Strände der Wild Coast und fühlten uns ein bisschen wie Maria und Josef, als wir noch am Nachmittag eine Herberge, ein Restaurant, fürs Dinner suchten. Trotz gutem Essen habe ich die Stimmung, gemeinsam mit der Familie in die Kirche zu gehen, zusammen zu essen und Geschenke auszutauschen sehr vermisst. Es war kein richtiger Heiligabend und das hat mich schon trauriger gemacht, als ich gedacht habe.

Doch umso glücklicher war ich, als ich dann heute morgen endlich, es sind immerhin schon fast drei Monate vergangen, meine Familie wieder in die Arme schließen konnte. Ich freue mich so sehr, dass ich Ihnen jetzt endlich meine zweite Heimat zeigen kann und wir gemeinsam die Garden Route bis nach Kapstadt hinunter fahren. Es war ganz witzig, Ihnen zu zeigen, wo ich hier wohne und arbeite, da der eine oder andere kritische Blick der werten Eltern dann doch noch besänftigt werden musste.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen frohe Weihnachten, eine ruhige Zeit mit Euren Lieben und natürlich auch schon einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Eure Jule :)

30November
2016

Weihnachtsmarkt im Sommer und Hochzeit im Township

Und schon sind wieder zwei ganze Wochen vergangen und ich sollte mich doch mal wieder dran setzen und meinen werten Leserinnen und Lesern berichten:

Seit der letzten Woche hat sich unser Alltag ganz schön umgestellt: die letzten zweieinhalb Wochen vor Beginn der großen Sommer- und Weihnachsts-Ferien (paradox!) ist Examenszeit beziehungsweise undefinierbare Schüler-können-auch-daheim-bleiben-weil-Lehrer-in-der-Schulzeit-die-ach-so-anstrengenden-Examenskorrekturen-vornehmen-müssen-Zeit. Naja, die drei Exmen meiner Drittklässer in English, Mathematics und Life Skills haben jeweils den Umfang einer etwas ausführlicheren HÜ... Die Schule schliesst jedenfalls um 12 Uhr. Meine Hauptarbeit ist es, da mit dem neuen Jahr auch ein neues Schuljahr beginnt, die Lehrer bei sämtlichen Klassenzimmeraufräumarbeiten und beim Vorbereiten des Papierkram für die neuen Schüler zu unterstützen. Zwar kommt die Arbeit mit den Kindern nun etwas zu kurz, das ist aber zur Abwechslung auch mal gar nicht so schlecht.

Um 12 Uhr gehe ich -wie immer- zum Kinderheim, wo wir nach dem Mittagessen die sehr sehr heiße, sich aber auf unsere Bräune äußerst postiv auswirkende Sonne am Pool genießen. Fertig gebräunt geht es dann um 17 Uhr nach Hause, wo der Haushalt schon auf uns wartet.

Um 17 Uhr müssen wir meist ach schon wieder im Kinderheim sein, denn dann beginnt unsere Schicht am Pancake-Stand des Light Festivals, eine Art Weihachtsmarkt. Das gesamte Gelände ist mit bunten Lichtern geschmückt, es gibt Reis mit Curry, Pancakes, mmmh-Burenwurst (vorsicht, Ironie!), Getränke und zwei mal pro Woche mal mehr, mal minder brilliante Live Musik. Der Pancake-Stand liegt also in unserer verantwortungsvollen Hand. Aufgeteilt in baker (mit jeweils zwei Pfannen produzieren sie Pancakes wie am Fließband), runner (er befördert die Pancakes von den bakern zu den rollern, in einem Tempo, als ginge es um sein Leben) und eben roller (im Akkord bestreuen sie die Pancakes mit Zimt und Zucker, rollen sie "as tight as possible" und übergeben sie mit freundlichstem Lächeln dem Kunden) läuft das wie am Schnürrchen! Einzige Gefahr: teils extremer Kundenmangel, vor allem unter der Woche und damit einhergehende gähnende Leere und Langeweile... gekonnt werden diese Krisen allerdings mit Plauderründchen überwunden!

22 Uhr - Ende der Schicht - meist aber auch schon früher! Die Crew stürmt zum benachbarten Kaffee-Stand, um die letzten Reste flüssiger Wachheit abzustauben.

Am 7.Dezember beginnen dann die Ferien. Bis zum 17.12. arbeiten wir allerdings noch beim Light Festival, bevor wir einen Tag später eeeendlich in unseren heiß ersehnten, fleißig geplanten und natürlich wohl verdienten Urlaub starten. Drei Wochen lang geht es über die Drakensberge, Durban und die Garden Route nach Kapstadt. Ganz besonders freue ich mich auf ein ganz exklusives Weihachtsgeschenk, das sich quasi im Schlitten vom Weihachtsmann am Heiligen Abend zu mir nach Südafrika aufmacht: meine Familie! Ich freue mich so auf Euch, das könnt ihr Euch gar nicht vorstellen!

 

Haltet Euch fest, nun kommt ein etwas aprupter Themenwechsel: Letzten Samstag ist nämlich etwas super cooles passiert: Florah, unsere Mentorin, hat uns mitgenommen zu der Hochzeit ihrer Schwester im Township. Wir haben uns sehr darüber gefreut und wie es schien, war die Freude nicht allein unsererseits, denn sämtliche Gäste grüßten uns, schüttelten unsere Hände, umarmten uns und schossen Fotos mit uns, als einzige Weiße waren wir die Attraktion. Die Menschen sind unglaublich offen und herzlich, das halbe Township ist vor das Häuschen des Brautpaares gekommen, wo in etwas wackeligen Zelten gefeiert wurde, um die frisch Vermählten zu beglückwünschen. Es wurde gesungen, getanzt, geklatscht, geschrien! Es ist der Wahnsnn, wie man in einfachsten Verhältnissen einen solchen Tag durch Miteinander und Beisammensein und vor allem durch pure Lebensfreude  so wunderbar feiern kann. Nicht das Essen, eine teure Location, ein super DJ oder gar Alkohol waren der Schlüssel zum Gelingen der Party. Ganz einfach die Freude der Menschen brachte diese super Grundstimmung zustande! Südafrika-Feeling Pur!

Liebe Grüße aus dem viel zu heißen Potch

Eure Jule :)

14November
2016

... wenn acht Abenteuerlustige wandern gehen!

Einst trug es sich zu, dass acht wanderlustige und wagemutige junge Deutsche sich aufmachten in die großen weiten Drakensberge. 

Die Geschichte beginnt an einem sonnigen Freitag Nachmittag. Es war nicht allzu heiß und rege Vorfreude lag in der Luft, als die achtsamen Acht die beiden Autos vollzupacken versuchten. Achtsam mussten sie sein, da es jede Menge Backpacker, Schlafsäcke, zwei Zelte, Isomatten und das mit höchster Vorsicht zu verwahrende Proviant inklusive genügend Flüssigkeit, sowohl für den Tag als auch für den Abend, zu verstauen galt. 

Als die Helden des Tetris und der Packkunst es dann endlich vollbracht hatten, nicht nur das angeblich nur auf diese 3 Tage, nicht auf 3 Wochen, beschränkte Gepäck, sondern auch sich selbst in den Fahrzeugen zu verstauen, konnte die Reise gen Drakensberge beginnen! 

Das Orakel veranschlagte viereinhalb Stunden für die Strecke. Doch trotz Stoßgebeten und Opferzeremonien verschonte der Wettergott die armen Acht nicht: kurz nach Einbruch der Dunkelheit wurden sie von schweren Gewittern, den Nachthimmel hell erleuchtenden zuckenden Blitzen, schweren vom Himmel stürzenden Wassermassen und wabernden Nebelschwaden heimgesucht. Auch Nebelscheinwerfer, Fernlicht und auf Hochtouren arbeitende Scheibenwischer konnten die Sichtverhältnisse der vorsichtigen Fahrer kaum bessern. Bange Stunden für die ängstlichen Acht in ihren kleinen Autos mitten im südafrikanischen Nirgendwo.

Als die armseligen Acht dann endlich in strömendem Regen an ihrem Ziel, dem Zeltplatz Caravan, ankamen hatten sie sich bereits mit ihrem Schicksal, jeweils zu viert in je einem VW Polo zu nächtigen, abgefunden - doch alles sollte sich wenden: die Campingplatzbesitzerin überraschte sie mit einem Chalet! Dieses hatte zwar nur vier Betten, aber was soll's, dann kuschelten die anhänglichen Acht eben immer zu zweit in einem knapp einen Meter breiten Bettchen!

Dementsprechend frisch erholt wagten die abenteuerlustigen Acht sich am nächsten Morgen tief ins Innere der Drakensberge, genauer, zu den Tugela Falls. Hochmotiviert starte man den auf sieben Stunden kalkulierten Wanderweg. Die ersten zwei bis drei Stunden führte der Trampelpfad die ahnungslosen Acht immer tiefer ins Gebirge hinein, während er atemberaubende Aussichten auf das Amphitheater mit seinen schroffen steilen Felswänden, aus denen vereinzelt Wasserfälle in die Tiefe stürzten, und die umliegende Berglandschaft offenbarte, bis hin zum Tugela River. Diesem galt es nun zu folgen, um die Tugela Falls zu erreichen. Doch dies verlangte den adretten Acht ein wenig mehr ab: wagemutig sprangen sie über feuchte Felsen, um den Fluss zu überqueren, erklammen auf hölzernen Leitern steile Felshänge, hangelten sich an Wurzeln und Drahtseilen ganze Felsspalten hoch und wateten schließlich in beinahe hüfthohem Eiswasser durch den Fluss, während sie stets eine Regenflut und den Einbruch der Dunkelheit fürchteten. Nach dreieinhalb Stunden waren die athletischen Acht schließlich zur Umkehr gezwungen, die Dunkelheit würde sie sonst in den Bergen gefangen halten. Unversehrt konnten sie nach sieben Stunden ihre Autos erreichen.

Belohnt wurden die ausgemergelten Acht mit einem leckeren Abendessen in einem mehr oder weniger durch Zufall entdeckten, wunderschönen Restaurant. 

Da die Acht aber am nächsten Morgen immer noch ausgemergelt waren, stürmten sie die "Waffle Hut" und genossen den ersten richtigen Kaffee seit langer langer Zeit.

Anschließend tauchten die stets abenteuerlustigen Acht in das Land der Hobbits ein. Ziel der Wanderung ist allerdings nicht der Schicksalsberg, sondern ein wunderschöner Wasserfall und ein Pool, in dem die abgeneigten Acht, sogar ein Bad hätten nehmen können, hätte sie die Kälte nicht schon so zittern lassen.

Kurze Zeit später ging es für die Acht hinein in den wunderschönen Sonnenuntergang und zurück in Richtung Potch.

Bis zum nächsten Mal 

Eure Jule

 

P.S.: Entschuldigt meinen kleinen kreativen Schreibanfall-  Ihr kennt mich ja! Ich muss aber  zugeben, es ist wirklich alles wahr! Wir hatten ein wunderschönes, spannendes, wanderreiches und abenteuerliches Wochenende mit vielen überragenden Ausblicken. Und wir waren eine tolle Truppe, bei der wohl doch jeder ein bisschen über sich hinaus gewachsen ist! Ich glaube es, waren mit die allerschönsten Tage, die ich bis jetzt hier ins Südafrika hatte! :)

Hier noch einige Beweisfotos, damit ihr mir glaubt, wie toll es war! :P

 

09November
2016

Was gibt's Neues?

Nun will ich mich nach knapp zwei Wochen doch mal wieder bei Euch melden, der Alltag hat sich langsam eingependelt:

Die Zeit in der Schule macht mir weiterhin viel Spaß, meine Klasse wächst mir immer mehr ans Herz und so langsam lerne ich auch die etwas komplizierteren afrikanischen Namen und vor allem deren höchstkomplexe Aussprache. Während der Klang von Afrikaans meinen spitzen Ohren immer weniger fremd wird und ich mittlerweile auch die Lästerein und Erörterungen der wichtigen oder auch minder wichtigen Dinge des Lebens im Lehrerzimmer belauschen kann - ich tue natürlich gelegentlich so, als würde ich überhaaaupt nicht verstehen oder erahnen können, worüber gerade gefachsimpelt wird -, versuchen die Kinder mich fleißig in ihre Muttersprache Setswana einzuweihen. Doch hier habe ich schnell kapituliert, denn in meinem Sprachenrepertoire findet sich keine ähnliche Sprache, über die ich mir auch nur irgendetwas im Ansatz hätte herleiten können. Also doch lieber die Lehrer in Afrikaans belauschen, das klingt nämlich wie ein putziger Mix aus Englisch und Holländisch, bei dem an jedes Wort ein "i" angehängt wird.

Auch die Nahrungsaufnahme hat sich mittlerweile eingependelt: an das übertrieben gesüßte Mittagessen hat man sich gewöhnen können, nicht aber an die Abwesenheit von Brot! So backen wir nun alle paar Tage unser eigenes, sogar mit leckerer Kruste! Da war ein Salamibrot schon ein Highlight in unserer sonst sehr stark von Nudeln, Joghurt und Feta dominierten Ernährung.

Da Essen auch Dreck macht, haben wir in unserer WG kurzerhand einen Spülplan erstellt, denn die zeltlagerbewährte Jeder-spült-seinen-eigenen-Teller-Taktik ist, was ja eigentlich schon absehbar war, nicht aufgegangen. So hat man nur alle vier Tage über die Sauberkeit der Küche zu wachen. 

An den anderen Tagen bleibt dann genug Zeit, um sich mal wieder für Sporteinheiten zu motivieren, um der hier wohl einem jeden drohenden Gewichtszunahme  zumindest ein klein wenig entgegen zu wirken. Hier muss ich feststellen, ich habe mich da doch im Vergleich zu Deutschland um hundert Prozent (von null auf hundert, haha ?) gesteigert und sollte ich doch das ein oder andere Gramm mehr mit nach Deutschland bringen, ist das ganz sicher die aufgebaute Muskelmasse! ??

Doch dass ich mich hier wirklich über Luxusproblemchen auslasse, ist mir gerade auf dem heutigen Weg von der Schule zum Mittagessen im Kinderheim aufgefallen: Ich marschiere also Richtung Lunch, als mir ein kleiner Junge aus meiner Schule hinter mir auffällt. Ich habe ihn gefragt, ob er auch zum Kinderheim muss, er meinte aber, nein, er laufe zum Krankenhaus (halbe Stunde Fußweg). Den ganzen Weg habe ich mich mit dem 11-jährigen Bub unterhalten, den ich zuvor noch nie gesehen hatte. Er hat mir erzählt, dass er am Krankenhaus ein Taxi nach Hause nehme, ihn früher aber immer sein Vater dort abgeholt habe. Der ist nun allerdings im Gefängnis - er hat vor drei Wochen seine Frau, die Mutter des Jungen umgebracht. Der Junge lebt nun bei seiner Tante, seine beiden Geschwister bei den Großeltern in einer anderen Stadt. Er weiß nicht, warum der Vater die Mutter umgebracht hat. Als sich unser Weg dann getrennt hat, habe ich ihm gesagt, er soll gut nach Hause kommen und noch besser auf sich aufpassen.Es fiel mir unglaublich schwer, ihn gehen zu lassen, ich hätte ihn so gerne nach Hause gebracht. Gerade einmal 11 Jahre alt ist er!

Gut, das ist ein Einzelschicksal. So oder so ähnlich geht es den meisten Kindern im Kinderheim oder auch vielen Kindern meiner Schule, doch es war das erste Mal, dass ein Kind mir seine Geschichte erzählt hat, und das, obwohl es mich überhaupt gar nicht kennt!

Eigentlich möchte ich mich nicht in trauriger Stimmung von Euch verabschieden, deshalb folgt nun (nein, nicht das Wetter und auch nicht die Werbung) unser Plan für das Wochenende: von Freitag bis Sonntag werden wir in den Drakensbergen zelten! ich freue mich schon sehr darauf und hoffe ihr seid auch nächste Woche wieder dabei, wenn ich Euch davon Berichte! :)

Bis dahin, liebe Grüße 

Eure Jule :)

23Oktober
2016

One day in my southafrican life!

6.00 Uhr. Der Wecker klingelt. Die Sonne scheint schon in mein Zimmer. Während Ich mich langsam aus dem Bett quäle, denke ich öfters einmal an den Luxus der Schulzeit zurück, als der Wecker noch eine ganze dreiviertel Stunde später klingelte. 

Eine Dusche und das Daily-the-Same-breakfast bestehend aus Rooibuschtee und Joghurt mit Haferflocken und Crunch später, bin ich dann auch schon bereit, meinen Schulweg anzutreten. 7 Minuten laufe ich die zwei Straßen weiter zur Potch Primary, meiner Grundschule. Meistens habe ich jedoch Glück und irgendein netter Kollege sammelt mich auf dem Weg ein. ??

Pünktlich um 7.20 Uhr beginnt das Morning Meeting im Staff Room. Am Anfang musste ich etwas in mich hineingrinsen, denn das südafrikanische Lehrerzimmer gleicht einem gemütlichen Warte-, Entspannungs- oder Pausenraum: statt Papier- und Bücherchaos, Kaffeetassen, hektisch umherrenenden Lehrern und wartenden Schülern vor dem Eingang findet man im Staff Room lediglich gemütliche Stühle vor, die in Gruppen um einen kleinen Tisch stehen, sowie einen riesigen Wasserkocher und Unmengen an Rooibuschtee. 

Zurück zum Morning Meeting: vor versammeltem Kollegium erklärt der Principal wichtige Dinge zum Tag, gratuliert zum Geburtstag, nennt die Pausenaufsicht für den Tag und beendet das Treffen mit der meist rhetorischen Frage: "Is there anything from your side?"

Nachdem die letzten Teetassen geleert sind, begibt sich das Kollegium um 7.30 Uhr auf den Schulhof, wo die "Learners" ordentlich aufgereiht auf die Begrüßung ihres Schulleiters warten: "Good Morning to the best School of Potchefstroom!". Es folgt das "Vater unser", ein Vers aus der Bibel sowie die Motivation zu fleißigem und diszipliniertem Lernen. Immer noch ordentlich "in line" marschieren die Schüler dann zu ihrem Klassensaal, den zuerst die Mädchen und dann die Jungs betreten dürfen. 

 Die ganze Schule tritt an zum Morgenappell!

Mit dem schrillen Geräusch der Schulglocke, dass dem Feuermelder an deutschen Schulen gleicht, wird um 7.40 Uhr der Beginn der ersten Schulstunde angekündigt. Eine Stunde dauert in Südafrika 40 Minuten, nach drei Stunden gibt es 20 Minuten Pause, insgesamt sind es acht Schulstunden pro Tag. Freitags ist jede Stunde um fünf Minuten gekürzt. Das heißt für mich: Schule aus schon um 13.00 Uhr anstatt um 13.40 Uhr!?

Bei Schulbeginn ist aber noch nicht an den Feierabend zu denken, es gibt viel zu tun! Normalerweise bin ich einer 3. Klasse zugeteilt. Hier sitze ich neben Katleho (jaa, diesen einen Namen kann ich mittlerweile ??), einem unglaublich goldigen Bub, den ich schon nach den ersten paar Minuten ins Herz geschlossen habe. Eigentlich soll ich ihm wohl einfach helfen, während dem Unterricht besser mitzukommen. Allerdings fällt ihm vor allem Mathe sehr sehr schwer und so versuche ich ihm mit gerosteten nummerierten Bierdeckeln die dunkle und (ich spreche aus Erfahrung) sehr unbehagliche und komplexe Welt der Mathematik ein wenig zu erleuchten. Dies fordert allerdings größte Geduld und Ruhe, wenn der Junge nicht einmal 1+1+1 rechnen kann (das soll kein schlechter Scherz sein, das kommt hier wirklich öfter vor), dann stoße ich stark an meine Grenzen. Ich muss zugeben, das zieht einen schon runter, denn außer mir, scheint sich wohl keiner um ihn zu kümmern... die Lehrer sind mit den 30 übrigen Rabaukem schon gut beschäftigt und in seiner Familie findet er auch keine Unterstützung. Und auch ich kann ihm nicht die Hilfe geben, die er bräuchte, das macht mich traurig!

Irre ich nicht gerade mit Katleho durch die düstere Mathematikwelt, dann nehme ich der Lehrerin viel Korrekturarbeit ab. Englisch, Mathe, Life Skills und sogar Afrikaans... nichts entgeht meinen mittlerweile sogar echt geübten, gar nach Fehlern gierenden Adleraugen.

Meine dritte große Leidenschaft ist das Hüten von ganzen Klassen: denn irgendwie kommt es hier öfters vor, dass sich Lehrer mitten am Tag verabschieden (Elterngespräche oder auch mal ein wichtiger Gang zur Bank). Da komme ich ins Spiel. "If you give ma'am a hard time, then tomorrow it's me and you!", so oder ähnlich schallt meist die Drohung der Lehrer durch den Klassensaal. "Yes, ma'am!". Man könnte meinen, man hat es mit kleinen putzigen Erst-, Zweit-, oder Drittklässern zu tun, die aufs Wort hören. Äh nein! Der Schein trügt! Kaum hat die Lehrerin den Saal verlassen, fängt die ganze Klasse an zu quatschen, so geht es nicht einmal in den schlimmsten "Laberecken" in Deutschland zu. Die Hälfte der Klasse stürmt nach vorne: "Ma'am, this boy is hitting me!", "This girl took my pencil!", "Can I go to the bathroom?", " Can I drink water?", von hinten pirschen sich die Mädchen an: "Ma'am, your hair is so soft", "Can I play with your hair?". "NOOO! SIT DOWN, EVERYBODY, BE QUIET AND FALT YOUR ARMS!" höre ich mich schreien (ich gebe zu, beim ersten Mal war ich schon ein wenig entsetzt von mir selbst ?). Mittlerweile weiß ich, dass einmal schreien, quasi keinmal ist, denn man brüllt zunächst gegen eine Wand. Ist das Ohr der Bösewichte immerhin gewonnen, gilt es die trotzige Art durch gekonnte Argumente und Drohungen zu brechen und sie gefügig zu stimmen. Gleichzeitig ist es von Vorteil andere Pienschen und Wehwehchen sofort abzuwimmeln, denn die Gefahr, um den Finger gewickelt zu werden, ist allgegenwärtig! Es ist teilweise echt unglaublich anstrengend, aber es macht umso mehr Spaß, wenn die Kinder dann doch mal hören, man jemandem geholfen hat oder man einfach merkt, dass die Kinder einen trotz dem Geschreie doch noch mögen! Die vielen "Hello, ma'am", die von allen Seiten kommen, wenn man nur den Pausenhof überquert, die unzähligen Umarmungen kurz vor Schulschluss, jedes "Will you be in our class tomorrow?" gibt ein gutes Gefühl! 

 Es gibt sie doch: die braven fleißigen Schülerlein ??

Erschöpft, aber glücklich laufe ich nach Schulschluss weiter zum Kinderheim. Hier treffe ich auch die anderen Freiwilligen, wir essen zusammen, tauschen uns aus und chillen und sonnen uns im Poolhaus. 

Punkt 15.00 Uhr schallt auch hier einen feuermelderähnlichd Sirene über das ganze Gelände: Study Time. Getrennt nach Altersstufen erledigen die Kinder nun eine Stunde lang ihre Hausaufgaben. Wir passen auf und helfen bei Fragen, eigentlich eine ganz enstpannte Arbeit, die allerdings auch ein wenig langweilig werden kann, wenn die Kinder selbstständig sind und keine Fragen haben. 

Um 16.00 Uhr ist die Arbeit dann geschafft! Auf in den wohlverdienten Feierabend!

Diesen verbringen wir zu einem großen Teil damit, unser Häuslein in Schuss zu halten (vor allem Spülen und Waschen), zum 15 Minuten entfernten SPAR zu wandern, um Wasser aufzufüllen und die 5l-Kanister wieder nach Hause zu schleppen, zu planen, was wir als nächstes essen, tiefsinnige Gespräche zu führen, die nächste Aktion, wie Kino, Essen gehen, Grillen, Bar-Besuch oder Wochenendtrip, zu planen und natürlich den neusten Klatsch aus der Heimat zu eruieren. 

Damit ist der Tag auch schon gut gefüllt und ich muss zugeben, ich bin froh, wenn ich mich abends erschöpft in mein Bettchen legen kann ?

Ich hoffe, ich konnte Euch damit einen kleinen Einblick in meinen südafrikanischen Alltag geben!

Grüsse in die Heimat ??

Eure Jule

16Oktober
2016

Hello, Joburg! ??

Hallo an alle fleißigen Leser :)

Ehrlichgesagt komme ich gar nicht dazu, Euch von meinem Alltag und meiner Arbeit hier in Potch zu berichten, weil es einfach viel wichtigeres zu berichten gibt! 

Nämlich - leset und staunet... und seid vielleicht auch ein wenig neidisch - der sage und schreibe zweite Trip innerhalb der zwei Wochen, die ich nun schon hier bin! 

Dieses Mal ging es nach Johannesburg, Joburg, Jozi, oder eben in die wohl gefährlichste Stadt der Welt.

Mit ein wenig Respekt, dem Brustbeutel, dem wohl wichtigsten Utensil dieser Tour, und ohne Schmuck und Wertsachen im Gepäck machte sich unsere Reisegruppe auf den Weg.

Bei unserem Lieblings-Autoverleih mieteten wir die Zwillingsschwester unseres heißgeliebten "Tussi"-Mobils. Nicht nur die äußerliche Ähnlichkeit war verblüffend, auch die inneren Werte, leichter bis mittelstarker Linksdrall auf gerader Straße und absolut überhaupt gar kein Beschleunigungsvermögen, bestätigten, diese Autos mussten Zwillinge sein! Einziger Unterschied: das Nummernschild.

Unser Hostel überraschte uns nicht nur mit bereits bezogenen Betten, sondern auch mit einem überragenden Blick auf die Joburger Skyline.

Nachdem diese aus jeder möglichen Perspektive, die unser Balkon hergab, fotografiert wurde, machte sich die Truppe auf den Weg in die City und ließen uns von den roten Citysightseeing-Doppeldeckerbussen quer durch Jozi kutschieren (oh, ich wollte soetwas schon immer einmal machen!!). Dies hatte gleich mehrere Vorteile: erstens, wir mussten uns nicht sonderlich bewegen, waren aber "in Sicherheit" und konnten uns die Stadt aber trotzdem ganz genau betrachten, zweitens, wir konnten auf dem Doppeldeckerdach an unserer Bräune arbeiten und drittens, wir erfuhren viele interessante Dinge über Johannesburg, beispielsweise, dass es die größte Metropole ist, die nicht an irgendeinem Gewässer liegt, sondern mitten im Nirgendwo. Einer der Stops unserer Tour war das Carlton-Centre: das fünfzig Stöcke hohe Gebäude wurde in gerade einmal zwei Jahren errichtet und ist bis heute der höchste Wolkenkratzer Südafrikas. Wir standen also wortwörtlich at the "Top of Africa". In den unteren Stockwerken befindet sich ein Einkaufszentrum, das man aber alleine nicht besuchen sollte. Deshalb wurden wir von einem jungen Mann vom Bus bis zum Aufzug und wieder zurückgeführt - schon ein wenig unbehaglich... Die übrigen Etagen des Carlton-Centres und auch die Vielzahl der Gebäude Joburgs stehen leer. In den unteren Etagen befinden sich meist Geschäfte, die Fenster der oberen Etagen sind teilweise zerstört und die Fassaden komplett verwahrlost. Aber auch auf den engen Straßen wird Handel betrieben. Klapptischstand an Klapptischstand reiht sich da auf dem Bürgersteig aneinander - es gibt sogar extra Standverbotschilder, welche aber wohl ehr pro forma da stehen. 

Letzter Stopp unserer Tour war das Apartheid-Museum. Zweieinhalb Stunden sollte man laut Führer kalkulieren, zwei Stunden vor Feierabend betraten wir das Museum. Wer mich kennt, der weiß, dass ich das nicht besonders oft feststelle, aber: dieses Museum war unglaublich interessant! Es hat uns allen einen spannenden Einblick in das Thema Apartheid mit allen seinen Zusammenhängen gegeben. Dieses Thema ist natürlich auch heute in Südafrika unglaublich präsent: bereits am zweiten Tag haben mich meine Drittklässler darauf angesprochen. Obwohl wir noch lange nicht alles gesehen hatten, mussten wir unseren  Museumsbesuch leider um Punkt 17.00 Uhr beenden: Licht aus, Feierabend, so einfach geht das hier!

Da uns nun langsam ein leichtes Hungergefühl beschlich, machten wir uns auf nach Maboneng. Obwohl wir eigentlich alle nicht gern scharf essen, entschieden wir uns für typisch indisch-südafrikanische Küche... naja, es war auch das nächste Restaurant zu unserem Parkplatz und unsere leichte Panik war noch immer nicht verschwunden. Kaum aus dem Auto ausgestiegen wurden wir fünf hübschen weißen auch schon von allen Seiten angestarrt - keine Schwäche zeigen und immer schön beisammen bleiben war die Devise! 

Am nächsten Tag stand Nelson-Mandela-Square inklusive Mall (nach zwei Wochen Verzicht kommt die Shopping-Sucht doch schon laaangsam aber sicher wieder hoch) auf dem Programm. Einen größeren Kontrast kann man sich gar nicht vorstellen! Tolle Häuser, breite und saubere Straßen, beinahe Prunk und Protz, eine überdimensional riesige wunderschöne Shoppingmall, die absolut keine Wünsche offen lässt, tolle Hotels und Restaurants - dem Joburger Stadtteil Sandton scheint es an nichts zu fehlen.

Man vergisst schnell, dass nur einige Autoninuten entfernt, das riesige Township Soweto liegt oder die Straßenhändler in der Innenstadt froh um jedes einzelne mühevoll verkaufte Teil sind. Es ist komisch, denn auch wir ließen es uns in der Mall ersteinmal richtig gut gehen...

An besorgte Mamas und Papas: wir sind wohlbehalten wieder zurück in Potch angekommen. Jetzt heißt es: Ab ins Bett! Morgen startet die zweite Schulwoche!

Liebe Grüße

Eure Jule

 

08Oktober
2016

Los gehts: SAFARI!!

Kaum angekommen, schon die erste Reise:

3. Oktober 2016, 7.00 Uhr, das Abenteuer beginnt!

Mit unserem gemieteten weißen "Tussi-Auto" wagten wir uns frühmorgens in den südafrikanischen Linksverkehr. Um Rustenburg (knapp 150 km nördlich von Potch) zu erreichen war Teamwork gefragt: eine Mitfreiwillige behielt den Verkehr im Blick, die andere übernahm das Schalten und ich durfte aufs Gaspedal drücken - ich sehe schon einige besorgte Gesichter vor mir, keine Sorge, mittlerweile beherrsche ich den Linksverkehr mindestens genauso gut, wie den Rechtsverkehr innocent!

Dort angekommen, quartierten wir uns ersteinmal in unserem gemütlichen Guest House ein. Da Pausen aber eindeutig überbewertet sind, machten wir uns sofort auf zum Mountain Sanctuary Park. Ausgestattet mit Schwimmsachen und einer Karte, die wir von einer netten Mitarbeiterin des Parks erhielten, starteten wir unsere Wandertour. Das kleine Problem war allerdings, dass die Karte genau drei Wege zeigte und wir uns so bereits nach kurzer Zeit ordentlich verlaufen hatten. Denn auch auf Wegmarkierungen verzichten die Südafrikaner gerne. So mussten wir unsere Suche nach den West Pools nach drei Stunden Hardcore-Wandern durch die südafrikanische Savanne etwas frustriert aufgeben. Highlight des Tages war schließlich das wohlverdiente abendliche Festmal: ein 500 g Rumpsteak für jeden - jap, die Teller waren komplett geleert!

4. Oktober 2016, 6.30 Uhr

Tag zwei begann mit einer eiskalten Dusche, aber auch einem leckeren Frühstück. Ziel des Tages war es, uns wagemutig in die nächste Nähe der sogenannten "Big Five" zu begeben. Also starteten wir unsere Safari- Tour im Pilanesberg Nationalpark. Schon in den ersten 30 Minuten bekamen wir eine Herde Büffel, Zebras, verschiedenste Vogelarten, Giraffen und sogar ein Nilpferd, es tarnte sich als Stein, aber unsere Adleraugen spürten es trotzdem auf, zu Gesicht. Auch ein Nashorn, Affen, Antilopen und Elefanten konnten sich nicht lange vor uns verstecken. Drei der "Big Five" konnten wir also bestaunen, einzig Löwen und Leoparden hatten im hohen Gras wohl das beste Versteck vor uns. 

5. Oktober 2016, 7.30 Uhr

Heute stand Entspannung auf dem Programm: wir fuhren nach Sun City, einem riesigen Freizeitpark mit unzähligen Hotels mitten im Nirgendwo. Erste Herausforderung war "The Maze of the Lost City". Kein Weg wurde nicht mindestens zwei mal gegangen, bis wir endlich aus dem Labyrinth fanden. Belohnt wurden wir mit einer gratis Bierprobe, Eis und Cola. Nächster Stopp war "The Valley of Waves", ein riesiger künstlich angelegter Strand, sogar mit Wellen und viele coolen Wasserrutschen, die wir natürlich auch alle ausprobierten. Zum Schluss besichtigten wir das teuerste Hotel am Platz, das "Palace" und träumten davon, auch nur eine einzige Nacht hier, in einer Luxussuite zu verbringen. Krönender Abschluss des Tages war, wie öfters mal, das Abendessen: die Hauptspeise in einem italienischen Restaurant enttäuschte uns leider ein wenig - dafür gab es unglaublich leckere Torten zum Nachtisch. Da blieb uns nichts anderes, als uns in unser gemütliches Bett im Guest House zu kugeln. 

 

So, das war ein kleiner Einblick in unser erste Tour! 

Nun auch noch einmal von Potch aus - vielen vielen Dank an alle für die lieben Wünsche, die Unterstützung und Mails!! Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut! :)

Ich hoffe, Euch geht es gut!

Liebe Grüße 

Eure Jule

 

07Oktober
2016

Angekommen!

Heute ist es genau eine Woche her, dass ich die geliebte Heimat verlassen und mich ins Ferne Südafrika aufgemacht habe!

Heute finde ich zum ersten Mal Zeit, Euch endlich einmal zu berichten:

Pünktlich um 18.00 Uhr ging es los Richtung Flughafen und dank dem Ablenkungstalent meiner Familie, hatte ich schon beinahe wieder vergessen, dass ich gleich in den Flieger nach Südafrika steigen sollte. Doch dort angekommen stieg die Aufregung. Ein Beruhigungssektchen, ein paar Tränen und viele Umarmungen später war ich schließlich bereit für das große Abenteuer.

Doch endlich in Johannesburg gelandet, galt es, noch einige Hürden zu überwinden, um die neue Heimatstadt Potchefstroom, von allen liebevoll Potch genannt, zu erreichen.

Die erste große Herausforderung stellte die schier unendlich lange Schlange an der Zollkontrolle dar, als diese dann nach eineinhalb Stunden überwunden war, schien tatsächlich meine größte Angst wahr geworden zu sein: ich konnte meinen Koffer nicht finden! Doch auch dieser Zwischenfall konnte gemeistert werden. Vollbepackt mit Koffer, Riesenrucksack und Tasche marschierte ich in die Ankunftshalle, wo Johan mich abholen sollte. Doch selbst nach unzähligen Streifzügen durch die Halle - Johan war unauffindbar! Und in diesem Moment ahnte ich noch nicht, dass noch geschlagene vier Stunden vergehen sollten, bis Johan auftauchte (... naja, die südafrikanische Pünktlichkeit :D )

Doch dann war ich endlich Zuhause - ja, bereits nach einer Woche nenne ich unser putziges Häuschen "Zuhause"!

Bilder sagen mehr als Worte, deshalb:

Unsere Straße und unser Häuslein auf der linken Seite - wir wohnen in einer total ruhigen Gegend, es gibt keinen Bürgersteig, jeder hat einen Hund, aber man sieht nie Menschen spazieren oder mit ihrem Hund

Das ist unsere Straße und unser Häuschen auf der linken Seite. Wir wohnen in einer total ruhigen Gegend: es gibt keine Bürgersteige, dafür hat jeder einen Hund, man sieht aber nie Leute (mit ihrem Hund) spazieren gehen.

Unsere kleine Terasse :) Weil hier so viel Wind ist, fliegt oft Müll, meistens Zeitung oder Chipstüten, vom Garten zu Garten

Unsere (meistens) aufgeräumte Küche

und mein eigenes Zimmer :) 

Ihr seht, in unserer lustigen 3er-Mädels-WG lässt es sich vier Monate aushalten :) 

Viele Grüße aus Potch

Eure Jule